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Dieser Markt ist einmalig in DeutschlandDer unterfränkische Handwerkskammer-Präsident Hugo Neugebauer im Interview über den Rhöner Wurstmarkt und seine Besonderheiten  HWK-Präsident Hugo Neugebauer (Foto: GrafikDesign Schikora) Ostheim - Hugo Neugebauer aus Großeibstadt ist seit einem Jahr Präsident der Handwerkskammer von Unterfranken. Der Metzger ist Mitbegründer des Rhöner Wurstmarktes und eng mit der Basis verbunden: In seinem Heimatort betreibt er mit seinem Sohn eine Metzgerei mit Partyservice und Gastwirtschaft. Im Interview spricht er über die Erfolgsgeschichte des Rhöner Wurstmarkts, der am 11. und 12. Oktober 2008 zum vierten Mal in Ostheim v.d. Rhön stattfindet, und warum es so wichtig ist, dass man als Verbraucher beim Bäcker oder Metzger im Dorf einkauft. Herr Neugebauer, Sie sind Mitbegründer des Rhöner Wurstmarktes in Ostheim/Rhön, der nun zum vierten Mal stattfindet. Was hat Sie damals bewogen, diese überregional bedeutsame Veranstaltung mit aus der Taufe zu heben?
Präsident Neugebauer: Ich war damals sofort begeistert, als Michael Geier (Leiter der Bayerischen Verwaltungsstelle des Biosphärenreservats Rhön) mit der Idee auf mich zugekommen ist, weil mir als damaliger Obermeister der Metzgerinnung Rhön-Grabfeld durchaus bekannt war, dass hier in der Rhön hervorragende Fleisch- und Wurstwaren hergestellt werden. Aber keiner weiß davon. Für mich war das die Möglichkeit, unsere Produkte in Deutschland bekannt zu machen und deswegen habe ich mich von Anfang an eingebracht. Die Geschichte zeigt ja, dass es eine Erfolgsstory ist.
Im Konzert der deutschen Lebensmittelmessen hat sich der Rhöner Wurstmarkt etabliert, worauf führen Sie das zurück?
Präsident Neugebauer: Der Rhöner Wurstmarkt hatte von Anfang an hervorragende Partner: Das Biosphärenreservat Rhön, Slow Food Deutschland, die Stadt Ostheim und natürlich die Metzgerinnung Rhön-Grabfeld. Diese vier haben sich zusammen getan und haben aus diesem Wurstmarkt eine deutschlandweit bekannte Messe gemacht. Die Besucherzahlen sind beeindruckend, beim letzten Mal waren 25 000 Menschen hier. Die tolle Atmosphäre, das Ambiente zieht die Besucher an. Der Markt ist einmalig in Deutschland, es gibt nur noch einen ähnlichen in der Pfalz und da liegt der Schwerpunkt nicht wie bei uns auf dem Thema Wurst, sondern auf dem Wein.
Was ist an Wurst so besonders? Präsident Neugebauer: Es gibt die fabrikmäßig hergestellte Wurst, wo alles nach Schema F geht und es gibt gerade in Franken viele kleine handwerkliche Metzger in den Dörfern, die nicht nur Wurst verkaufen, sondern sie auch selbst nach eigenen Rezepten herstellen. Hier schmeckt jede Wurst anders, hier ist die Vielfalt – besonders in der Rhön – ausgeprägt. Wir haben hervorragende Landwirte und hervorragende Metzger, wir müssen das nur bekannt machen.
Der Minister für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Horst Seehofer, spricht in seinem Grußwort für den diesjährigen Rhöner Wurstmarkt von „Helden vor Ort“ und meint damit regionale Metzger, Fleischer, Köche, Brauer und Bäcker, die in der Region den Kunden qualitativ hochwertige Ware bieten. Was zeichnet diese Handwerker aus Ihrer Sicht aus?
Präsident Neugebauer: Minister Seehofer meint damit, dass wir regionale Betriebe in Dörfern mit unter 1000 Einwohnern sich halten - entgegen aller Trends und Prognosen. Hier in der Rhön in kleinen Gemeinden schaffen es die Metzger und Bäcker, am Leben zu bleiben. Das ist Heldentum in meinen Augen; die Handwerker sind flexibel, beweglich, vielseitig, sie haben Ideen. Ich komme aus einem Ort mit gut 700 Einwohnern, wir haben eine Gastwirtschaft, Partyservice und Metzgerei, wir bieten 16 Menschen einen Arbeitsplatz. Mit guten Qualitätswurstwaren kann man hier überleben. Warum soll ich als Kunde lieber zum Metzger um die Ecke gehen als zum Billigsupermarkt? Präsident Neugebauer: Es gibt einige Argumente: die hervorragende Qualität, die regionale Vermarktung. Wir Rhöner Metzger haben uns in der Rhöner Hausmacherkooperation zusammen getan, bei der wir nachweisen, dass wir von den heimischen Bauern unsere Tiere kaufen, in den beiden Schlachthöfen im Landkreis schlachten lassen und natürlich auch hier in der Rhön unsere Wurstwaren selbst herstellen. Es ist natürlich auch viel Bequemlichkeit beim Kunden vorhanden, der einfach durch den Supermarkt läuft und sein Päckchen Wurst in den Wagen wirft. Wenn sie darüber nachdenken, müssten sie zu der Erkenntnis kommen, dass man Arbeitsplätze in der Region nur halten kann, wenn man auch Produkte von hier einkauft. Ich denke da auch an Ausbildungsplätze, wo sich das Handwerk ja ganz besonders hervortut. Wenn wir kein Geschäft im Ort machen, können wir keinen ausbilden. Und in Sachen Qualität, Service und Beratung sind wir vor Ort sowieso spitze.
Der Stärkung der heimischen Wirtschaft hat sich auch die Handwerkskammer verschrieben, was tun Sie dafür?
Präsident Neugebauer: Das ist ein wichtiger Punkt. Wir versuchen als Handwerkskammer, den früheren Behördencharakter abzulegen, wir sind Dienstleister für die Handwerker. Wir bieten zum Beispiel Betriebsberatung für unsere Firmen, kostenlos, und wir helfen auch, wenn Betriebe im Ausland tätig sein wollen. Ich vertrete das unterfränkische Handwerk in der Politik, gerade in Berlin, damit das unterfränkische Handwerk nicht vergessen wird.
Bis 2010 könnte laut Studien das Umsatzvolumen in der Bio-Branche deutschlandweit auf acht Milliarden Euro steigen, 90 Prozent aller deutschen Haushalte haben vergangenes Jahr mindestens einmal Bio-Produkte gekauft. Wie kann man regionale Hersteller davon überzeugen, noch mehr auf Qualität und Bio zu setzen?
Präsident Neugebauer: Ich befürworte die Bio-Schiene, allerdings mit der Einschränkung, dass ein regionaler Bezug bestehen muss. Ich lehne Bio-Produkte aus dem Ausland ab, da dadurch der Umweltgedanke aufgrund der weiten Wege nicht berücksichtigt wird. Bio ist eine regionale Nische, die für viele Verbraucher wichtig ist. Ich bin zwar ein Vertreter der konventionellen Schiene, aber wir sind in unserem ländlichen Gebiet gar nicht so weit weg von Bio.
Es gibt viele Bio-Produkte und viele Bio-Siegel, wie kann ich mich als Verbraucher im Dickicht der Siegel zurechtfinden?
Präsident Neugebauer: Bei der regionalen Schiene bin ich mir sicher, dass der Bauer, den jeder kennt, sich hüten wird, sich nicht an die Vorschriften für den biologischen Anbau halten. Bei ausländischen Produkten ist das die Frage. Ich bewundere die Landwirte, die den Mut haben, die Bio-Schiene zu fahren, da steckt eine Menge persönlicher Einsatz und hohes Fachwissen dahinter.
Aus der Rhön, für die Rhön – ist das in einer Welt, die immer stärker von Globalisierung und weltweiten Märkten geprägt ist, nicht ein Widerspruch?
Präsident Neugebauer: Das muss man zweigeteilt sehen. Als erstes muss man sehen, dass unsere Bevölkerung aus der Rhön hier ihre Produkte kauft. Die Menschen müssen verstehen, dass wir uns hier selbst versorgen können, warum soll man dann von außerhalb groß Lebensmittel einführen? Der zweite Gedanke ist natürlich, dass wir hier kurze Wege haben, nicht unwesentlich bei den derzeitigen Energiekosten. Wir haben vier, fünf Kilometer bis zum nächsten Bauern. Der Verbraucher muss das aber auch honorieren, wenn er einen Metzger oder Bäcker im Ort haben will, dann muss er auch dazu stehen. Im Bereich der Industrie bei Autos, etc. ist die Globalisierung überall, da müssen wir uns ihr stellen. Unser Bestreben muss sein, dass wir unsere Rhöner Produkte wie z.B. die Bionade, überall bekannt machen. Es ist ein Ziel von mir, dass wir es schaffen, die Produkte unserer Rhöner Hausmacherkooperation deutschlandweit bekannt zu machen.
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